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Entdeckung:

Im vierten Buch ihrer um 1150 verfassten Physika befasst sich Hildegard von Bingen mit der Heilwirkung der Edelsteine. In ihrer Einführung zu dem „Buch von den Steinen" schreibt sie: Gott ließ weder das Strahlen noch die Kräfte der Edelsteinen vergehen, denn er wollte, dass sie auf Erden geschätzt und gepriesen würden und als Heilmittel dienen. In diesem Buch beschreibt Hildegard die Wirkungsweise und in gut verständlichen Bildern auch die Entstehungsart von 24 Steinen. Dies ist besonders bemerkenswert, da die moderne Mineralogie erst 600 Jahre später entstanden ist, und sich nirgendwo sonst in der mittelalterlichen oder antiken Literatur Hinweise in der Art und Qualität finden, wie in Hildegards Werk.

So beschreibt sie magmatisch Gebildetete Steine als der Sonnenglut entstammend, durch Verwitterung gebildete haben ihren Ursprung in der Luft und dem Wasser und bei Metamorphen Steinen sagt sie aus, dass die Sonne (=Magma) das Gestein eines bereits bestehenden Berges mächtig zum Glühen bringt.

Die Steinbeschreibungen Hildegard von Bingens gaben lange Zeit Rätsel auf: Einige ihrer Erläuterungen waren sehr präzise und stimmten exakt mit den Erkenntnissen der modernen Steinheilkunde während andere Aussagen wiederum überhaupt nicht zuzutreffen schienen. Dieses Rätsel wurde schließlich von Michael Gienger gelöst, der im Rahmen seiner Recherchen über Hildegard von Bingen schließlich erkannte, dass sich im Verlauf der fast 800 Jahre seit Hildegards Tod die Namen der von ihr beschriebenen Steine verändert hatten. In seinem Buch „Die Heilsteine der Hildegard von Bingen"  beschreibt er ausführlich die von Hildegard erwähnten Edelsteine, ihre Anwendung, ihre Entstehungsweise und vergleicht Hildegards Beschreibungen mit den Erkenntnissen der modernen Steinheilkunde. Schon in der mittleren Steinzeit bestand Interesse an den Edelsteinen, was archäologische Funde beweisen.

Ein besonders hohes Niveau hatte die Edelsteinverarbeitung in Zentral- und Ostasien, Babylon, Mesopotamien, Ägypten und Mittelamerika. In Mittel- und Nordeuropa war die Bearbeitung eher vereinzelt. Das Interesse an Edelsteinen stieg in Europa erst mit Entwicklung von Handel und Wissenschaft im 15. und 16. Jahrhundert an und erreichte den Höhepunkt im 18. und 19. Jahrhundert mit der Entdeckung vieler neuer Lagerstätten.

 

 

Monika Schwärtzler

 

 


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Letzte Änderung:07.09.2010